07.10.2026

BELLE zeigt: Der Weg zum E-Lkw führt über den Betriebshof

Wie lassen sich schwere Nutzfahrzeuge erfolgreich elektrifizieren? Das Forschungs- und Demonstrationsprojekt BELLE liefert darauf konkrete Antworten. Eine zentrale Erkenntnis: Nicht allein das Fahrzeug entscheidet über den Erfolg der Antriebswende – entscheidend ist das Zusammenspiel von Energieversorgung, Ladeinfrastruktur und betrieblichen Abläufen.

Die Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge ist längst keine Zukunftsvision mehr. Das zeigt das nun abgeschlossene Projekt BELLE eindrucksvoll. Über mehrere Jahre haben hysolutions, Hamburger Energienetze, das Competence Center for Energy Transition (CC4E) der HAW Hamburg, die Stadtreinigung Hamburg, ABB E-mobility, DACHSER, Brock und Daimler Truck gemeinsam untersucht, wie Betriebshöfe für den Einsatz batterieelektrischer Lkw fit gemacht werden können.

Dabei ging es um weit mehr als die Frage, welches Fahrzeug zum Einsatz kommt. Im Mittelpunkt standen die Auslegung der Ladeinfrastruktur, das Last- und Lademanagement, die Integration elektrischer Fahrzeuge in bestehende Betriebsabläufe sowie die Wirtschaftlichkeit des E-Lkw-Einsatzes. Die entwickelten Lösungen wurden anhand realer Anwendungsfälle erprobt und validiert.

Das Depot wird zum Energie-Hub

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus BELLE: Das Depotladen ist für viele Anwendungsfälle der Schlüssel zum Markthochlauf batterieelektrischer Nutzfahrzeuge. Denn der überwiegende Teil der Ladevorgänge findet heute auf den Betriebshöfen statt. Damit verändern sich diese Standorte zunehmend – vom klassischen Abstellplatz zum Energie-Hub.

Damit das zuverlässig funktioniert, müssen leistungsfähige Netzanschlüsse, passende Ladeinfrastruktur und intelligente Steuerung zusammenspielen. Gerade für Flottenbetreiber ist entscheidend, dass die Fahrzeuge zum Schichtbeginn zuverlässig einsatzbereit sind und die Ladevorgänge optimal in die betrieblichen Abläufe integriert werden.

Das Projekt zeigt dabei auch: Ein Betriebshof muss seinen Netzanschluss nicht zwangsläufig auf die theoretische Summe aller Ladepunkte auslegen. Durch intelligentes Lademanagement können Ladevorgänge über die vorhandenen Standzeiten verteilt werden. So lässt sich der notwendige Netzausbau reduzieren und der Einstieg in die Elektrifizierung erleichtern.

E-Lkw können sich bereits heute rechnen

Auch wirtschaftlich liefert BELLE wichtige Erkenntnisse. Batterieelektrische Nutzfahrzeuge können bereits heute in zahlreichen Anwendungsfällen wirtschaftlich betrieben werden. Zusätzliche Potenziale ergeben sich unter anderem durch die Nutzung von THG-Quoten, die Öffnung von Ladeinfrastruktur für Dritte und perspektivisch durch die Bereitstellung von Flexibilitäten für das Stromsystem.

Praxisbeispiele unterstreichen diese Entwicklung. So hat DACHSER am Hamburger Standort bereits früh mit der Elektrifizierung begonnen. Seit der Inbetriebnahme des ersten E-Lkw im Jahr 2019 wurde dort ein eigener Ladepark aufgebaut, an dem heute theoretisch bis zu 30 schwere Nutzfahrzeuge laden können. Die Scope-1-relevanten Verkehre am Standort sind inzwischen weitgehend auf Elektromobilität umgestellt.

Gleichzeitig bleibt die verfügbare Strommenge eine zentrale Herausforderung. Für die vollständige Umstellung großer Flotten braucht es leistungsfähige Netzanschlüsse, Megawattladen und ausreichend Ladepunkte – insbesondere dann, wenn viele Fahrzeuge in kurzen Zeitfenstern geladen werden müssen.

Von der Forschung in die Praxis

Genau hier liegt der Mehrwert von BELLE: Die Ergebnisse sollen nicht im Projekt bleiben, sondern Unternehmen, Kommunen und weitere Akteure bei ihren eigenen Elektrifizierungsstrategien unterstützen. Neben technischen Fragen spielen dabei insbesondere Standortanforderungen, betriebliche Prozesse, Wirtschaftlichkeit sowie die Integration von Lade- und Energiemanagement eine zentrale Rolle.

Die Botschaft des Projekts ist damit klar: Die Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge ist heute bereits möglich – wenn Fahrzeug, Energieversorgung, Ladeinfrastruktur und Betrieb gemeinsam gedacht werden. Sowohl im Regional- als auch im Fernverkehr können E-Lkw schon heute einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs leisten. BELLE liefert dafür eine praxisnahe Orientierung und zeigt, wie Betriebshöfe Schritt für Schritt auf den Hochlauf elektrischer Flotten vorbereitet werden können.

Das vom Bundesministerium für Verkehr geförderte Projekt wurde im Rahmen der „Förderrichtlinie Elektromobilität“ mit insgesamt 1,1 Millionen Euro unterstützt.

Foto-Credit: Dachser SE

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